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Im Folgenden finden Sie einen einführenden Überblick über den Venture Capital-Markt. Der Aufsatz umfasst fünf Seiten und ist in 4 Teile gegliedert: 1. Was ist Venture Capital? 2. Finanzierungsphasen 3. Der Wertschöpfungsprozess 4. Exit-Strategien Eine Analyse von Status Quo und aktuellen Entwicklungstendenzen der internationalen Venture Capital-Märkte finden Sie in der Rubrik Downloads. Außerdem steht Ihnen auf unserer Link-Seite eine Vielzahl interessanter Webseiten rund um die Themen Finanzmärkte und Venture Capital zur Verfügung. 1. Was ist Venture Capital? Die inhaltliche Bedeutung des Begriffes Venture Capital ist zum überwiegenden Teil stark durch die Praxis geprägt und unterlag in den letzten Jahren immer wieder starken Veränderungen insbesondere aus dem angelsächsischen Raum, so dass eine direkte Übersetzung ins Deutsche nur schwer möglich ist. Allgemein lässt sich Venture Capital als eine zeitlich begrenzte Finanzierungsmethode für junge, innovative Wachstumsunternehmen aus zukunftsweisenden Branchen beschreiben. Venture Capital als Finanzierungsmethode für Wachstumsunternehmen Zielgruppe von Venture Capital-Finanzierungen sind fast ausschließlich junge und kleine innovative Technologieunternehmen, die sich typischerweise durch eine unzureichende Selbstfinanzierungskraft, gleichzeitig jedoch durch einen hohen Kapitalbedarf auszeichnen. Auf Grund fehlender Sicherheiten und hoher Risiken bei diesen Unternehmen und mangelnder technologischer Kenntnisse der Kreditsachbearbeiter der Banken kommt eine Kreditfinanzierung i.d.R. nicht in Frage. Da der üblicherweise kurze Track Record außerdem einen direkten Börsengang ausschließt, besteht für den Großteil dieser Unternehmen eine strategische Finanzierungslücke. Venture Capitalists schließen die strategische Finanzierungslücke Das generelle Geschäftskonzept einer Venture Capital-Gesellschaft basiert schließlich genau darauf, diese Finanzierungslücke zu schließen. Dabei erfolgt im Rahmen der Kapitalbereitstellung eine bewusste Risikoübernahme, die einerseits die Gefahr von Totalverlusten mit sich bringt, auf der anderen Seite im Erfolgsfall jedoch außerordentlich hohe Renditen verspricht. 2. Finanzierungsphasen Venture Capital-Gesellschaften können Beteiligungen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien von Unternehmen eingehen und diese jeweils mit bestimmten Dienstleistungen unterstützen. Die einzelnen Finanzierungsphasen werden in Seed, Start-up, Expansion, Bridge, MBO/MBI, Turnaround und Replacement Capital eingeteilt. Seed In dieser Phase wird eine Unternehmensgründung durch Finanzierung der Umsetzung einer Idee in verwertbare Resultate vorbereitet. Der Schwerpunkt der Finanzierung durch die Venture Capital-Gesellschaft liegt dabei in F&E-Aktivitäten, rechtlichen Aspekten der Firmengründung sowie in der Erstellung eines betriebswirtschaftlich fundierten Unternehmenskonzeptes. Diese Phase ist mit sehr hohen Risiken für die Venture Capital-Gesellschaft behaftet, bietet aber auch große Chancen. Start-up Während der Start-up-Phase beteiligt sich die Venture Capital-Gesellschaft an einer Unternehmensgründung. Bei weitgehend abgeschlossener Produktentwicklung stehen die Produktionsvorbereitung, die Suche nach geeigneten Führungskräften sowie die Konzeption des Marketing im Mittelpunkt. Auch in dieser Phase sind die Risiken für die VCG noch hoch, denn hohen Investitionen stehen immer noch keine Erlöse gegenüber. Expansion Das Unternehmen befindet sich am Break-even-point, so dass die Bonität zunimmt. Die Venture Capital-Gesellschaft stellt Finanzmittel zur Verfügung, um die zunehmende Produktion und das weitere Unternehmenswachstum zu ermöglichen. Expansionsfinanzierungen sind auf Grund der fortgeschritteneren Entwicklung der Unternehmen weniger riskant für die Venture Capital-Gesellschaft. Bridge Diese Phase stellt eine Überbrückungsfinanzierung dar, bei der einem Unternehmen Kapital zur Vorbereitung eines Börsengangs oder zur Beseitigung von Wachstumshürden im Vorfeld eines Trade Sales zur Verfügung gestellt wird. Das Risiko für die Venture Capital-Gesellschaft liegt v.a. in einer potenziellen Verzögerung des Going Public bzw. des Trade Sales. MBO/MBI Gegenstand der Finanzierung ist die Übernahme eines Unternehmens durch das vorhandene (MBO) bzw. durch ein externes Management (MBI). Da die finanziellen Ressourcen des Managements i.d.R. für die Übernahme nicht ausreichen, springt die Venture Capital-Gesellschaft als Kapitalgeber ein. Turnaround Eine Turnaround-Finanzierung durch eine Venture Capital-Gesellschaft erfolgt üblicherweise, um nach einer Verlustphase oder wirtschaftlichen Fehlentwicklung den sich abzeichnenden Wiederaufstieg des Unternehmens zu ermöglichen. Das Risiko der Venture Capital-Gesellschaft kann bei Turnaround-Finanzierungen sehr hoch sein. Replacement Capital Replacement Capital bedeutet den Kauf von Anteilen an einem Unternehmen von einem anderen Investor. Die Graphik zeigt eine Zusammenfassung der einzelnen Finanzierungsphasen - die Phasen Turnaround und Replacement Capital wurden jedoch ausgeklammert, da diese nicht eindeutig in das chronologisch aufgebaute Schema passen. Häufig werden die Phasen Seed und Start-up zusammen genommen als Early Stage bezeichnet. Die Phasen Bridge und MBO/MBI nennt man auch Late Stage. ![]() 3. Der Wertschöpfungsprozess Die unterschiedlichen Aktivitäten von Venture Capital-Gesellschaften lassen sich als sog. phasenorientiertes Geschäftsmodell systematisieren. Der Wertschöpfungsprozess im Venture Capital-Geschäft setzt sich also aus unterschiedlichen Phasen zusammen. ![]() Bei der Kapitalakquisition stehen die Kommunikation der Beteiligungspolitik in den Markt und die Einwerbung von Kapital im Vordergrund. In der Praxis geschieht dies I.d.R. im Rahmen eines "Blind Pools", d.h. die Portfoliounternehmen stehen nicht alle von vornherein fest, oft erfolgt erst nach der Kapitaleinwerbung eine Investitionsentscheidung. Somit investieren die Kapitalgeber der Venture Capital-Gesellschaften vorwiegend in die Qualität deren Dienstleistung, die die Gesellschaft im Rahmen ihres Wertschöpfungsprozesses zu erbringen hat. In der sich anschließenden Phase der Beteiligungsakquisition, die auch als "Deal Flow" bezeichnet wird, beschafft sich die Venture Capital-Gesellschaft relevante Informationen über potenzielle Portfoliounternehmen. Dies geschieht z.B. über persönliche Kontakte, Netzwerke, Initiativanfragen von kapitalsuchenden Unternehmungen oder durch die aktive Suche nach Portfoliounternehmen. Diejenigen Unternehmen, die von der Venture Capital-Gesellschaft in die engere Auswahl genommen werden, werden im Rahmen einer umfangreichen und zumeist mehrstufigen Beteiligungswürdigkeitsprüfung einer an den Investitionskriterien der Venture Capital-Gesellschaft ausgerichteten Analyse unterzogen. Im Mittelpunkt einer Beteiligungsprüfung stehen Kriterien wie Managementkompetenz, Marktpotential, Wettbewerbsposition und der Geschäftsplan des Unternehmens. In der Phase der Beteiligungsverhandlung erfolgt in Zusammenarbeit mit den zuvor ausgewählten Unternehmen und ggf. weiteren Beteiligten wie z.B. Kreditinstituten oder anderen Venture Capital-Gesellschaften eine Abstimmung der Beteiligungskonditionen. Im Erfolgsfall steht am Ende der Verhandlungen der Abschluss einer Beteiligung, die schließlich durch einen konkreten Finanzierungsvertrag ausgestaltet werden muss. Zusätzlich zur reinen Finanzierungsfunktion stellen manche Venture Capital-Gesellschaften während der Beteiligungsdauer ihren Portfoliounternehmen umfangreiche Managementunterstützung zur Verfügung und nehmen außerdem auch Informations-, Kontroll- und Überwachungsfunktionen wahr. Das Ende des Engagements der Venture Capital-Gesellschaft stellt die Desinvestition, auch Exit genannt, dar. Da die Portfolio-Rendite der Venture Capital-Gesellschaft durch die Wertsteigerung ihrer Portfoliounternehmen bestimmt wird, kommt der Erzielung eines möglichst hohen Veräußerungserlöses entscheidende Bedeutung zu. 4. Exit-Strategien Die Desinvestition eines Portfoliounternehmens kann grundsätzlich auf fünf verschiedene Arten erfolgen: Going Public, Buy Back, Trade Sale, Secondary Purchase oder Liquidation/Kündigung. Going Public Unter einem Going Public versteht man die Einführung des Portfoliounternehmens an der Börse ggf. nach einer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Mit einem Going Public lässt sich i.d.R. der höchste Veräußerungserlös erzielen. Buy Back Bei einem Buy Back erfolgt der Rückkauf der Beteiligung durch den oder die Altgesellschafter des Portfoliounternehmens. Trade Sale Der Trade Sale bedeutet die Veräußerung der Beteiligung an einen industriellen Investor, der vorwiegend aus strategischen Gründen an der Übernahme des Portfoliounternehmens interessiert ist. Secondary Purchase Im Rahmen eines Secondary Purchase erfolgt der teilweise oder vollständige Verkauf eines Portfoliounternehmens an einen Finanzinvestor bzw. eine andere Liquidation/Kündigung Ist das Scheitern eines Portfoliounternehmens absehbar, erfolgt dessen Ausscheiden aus dem Portfolio der Venture Capital-Gesellschaft. Dies entspricht zumeist einem Totalverlust der Investition. Diese Form der Desinvestition stellt das letzte Glied in der Exitkette dar und kommt erst dann zur Anwendung, wenn die Fortführung durch das bisherige Management (Buy Back) oder eine Marktlösung (Going Public, Trade Sale oder Secondary Purchase) nicht mehr möglich ist. |